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Der Krieg in den Vaginen


Die bürgerlichen Gesellschaften des Westens stehen vor einem hässlichen Dilemma: alltäglich prallen sie mit der These vom Islam als einer Religion des Friedens und der Menschlichkeit, ausgegeben von Funktionären der islamischen Verbände und nachgebetet von Funktionären in Politik und Medien, auf die harte Wirklichkeit.

Denn der Islam will sich dort, wo er dominiert, wie z.B. in Saudi Arabien oder dem Iran, ganz und gar nicht in das Wunschbild fügen. Ebenso bereiten Muslime im Westen, die bürgerliche Sonderrechte aufgrund ihres Glaubens für sich beanspruchen, ihren Gastländern eine Reihe von immer gleichen Problemen, für die die säkularen Staaten eigentlich keine anderen Lösungen bereit halten sollten, als auf ihre vornehmsten Errungenschaften – Meinungsfreiheit, Rechtsstaatlichkeit, Gleichheit vor dem Gesetz - zu verweisen.
Doch stattdessen hat sich im Westen eine Beschwichtigungskultur etabliert, die stillschweigend akzeptiert hat, dass es sich bei den Muslimen um eine andere Sorte Menschen handelt, denen die Staaten nun, weil die Muslime es so ja unbedingt wollen - es gehe schließlich nur um Religion, ein gewisses Ausagieren ihrer kulturell geprägten Besonderheiten zugebilligt haben. Die Politik hält diesen "Dialog der Kulturen" für das Angebot an diese Besonderen, und hofft, dass sie auf dem Weg in die westlichen Gesellschaften ihre Schrullen irgendwie ablegen – eine Hoffnung, die sich immer weniger erfüllt. Sie vergisst dabei aber vor allem auch, was eigentlich ihre dringendste Aufgabe wäre: alle Erdulder und Erleider der islamischen Patriarchatskultur als vollwertige Mitglieder ihrer Gesellschaften zu schützen. Beides ist nicht zu haben, und es sind dieselben Gruppen, die schon in den (nun wirklich) islamischen Ländern Unterdrückung, Gewalt und Verfolgung ausgesetzt sind: Schwule, Juden, alle anderen Ungläubigen und besonders: Frauen.

Das Zentrum der Probleme mit dem Westen bildet deswegen die islamische Sexualpolitik. Von der Verheiratung Minderjähriger, über Polygamie und Gewalt in der Ehe bis zum sog. Ehrenmord, die Bestimmungen zu Ehe, Sex und Familie konstituieren die Trennungslinien innerhalb der muslimischen Gesellschaft: Mann und Frau, Jungfrau und Schlampe, die gute Muslima (die ihrem Mann gehorcht und sich verhüllt) und die schlechte, sowie die große Trennung zur abgründigen Welt des Westens.

Es ist nicht erstaunlich, dass es bisher keine eingehende Beschäftigung mit dem Thema gab, zumindest nicht aus einer konsequent westlichen Perspektive. Aus der Islamwissenschaft, die sich inzwischen dem "Dialog der Kulturen", zum Teil mit saudischem Geld finanziert, andient, und der Politik, die aus Angst vor den Wählern sowie Rassismusvorwürfen lieber im Vagen verbleibt, ist solche Beschäftigung nicht zu erwarten. Es liegt aber auch an der Sache selbst. Der eingehende Blick in die Quellen zur muslimischen Sexualmoral und –praktik ist ein unanständiger, denn er fördert Ungeheuerliches zu Tage. Es bedarf also einer gewissen ideologischen und institutionellen Unabhängigkeit.

Das Buch Sex, Djihad und Despotie. Zur Kritik des Phallozentrismus von Thomas Maul leistet ebendieses, und so ist es ein ungeheuerliches Buch. Mit einem umfangreichen Studium der Quelltexte (Koran, Sunna, Hadith- Sammlungen, Fatwas, Scharia Texte) gewährt der Autor einen Blick in eine fremde, teils bizarre Welt voller Regelungen und Strafzwänge. Durch die Konzentration auf al- Ghazalis Buch der Ehe bricht er der Kritik die Spitze ab, wenn er sagt, dass dieser, verglichen mit anderen Gelehrten, von Ibn Khaldun bis al-Qaradawi "den islamischen Phallozentrismus in seiner eloquentesten und liberalsten Form" repräsentiere.

Der Begriff Phallozentrismus verdichtet hierbei die politisch- sozialen Themenkomplexe Patriarchalismus, Djihad- Doktrin und Despotie, sowie die politisch- religiösen Begriffe Eschatologie und Ritualpraxis. Jeder dieser Bereiche wird detailliert aus den Quellen hergeleitet. Der Begriff zeigt ex negativo, worum es in der islamischen Sexualität nicht geht: Lustgewinn und Freiheit des Individuums. Dafür geht es immer um die konsistente Konstruktion der Gemeinschaft der Gläubigen in Hinblick auf ihre sittliche und körperliche Reinhaltung und Ausbreitung.

Sex dient zunächst der Produktion möglichst vieler Kinder, bevorzugt Söhne, und dies zur Ausbreitung des Islam. Darüber hinaus hat die Frau die Aufgabe den Sexualtrieb ihres Mannes jederzeit zu stillen, damit er sich ganz dem Glauben widmen kann. "Wenn sich der Penis erhebt, geht ein drittel des Glaubens verloren", so heißt es in der Sunna. Selbst die Nähe von Bordellen zu Wallfahrtsorten kann damit noch gerechtfertigt werden. Der Dienst am Mann durch die Frau ist Teil des Großen Jihads, der gläubigen Anstrengung im Sinne eines Kampfes gegen das Ego. Der Kleine Jihad, der Krieg gegen die Ungläubigen ist eine Variante davon, als Ausdruck extremer Frömmigkeit. Maul zeigt auf, wie unbedeutend die Trennung wird, wenn man bedenkt, dass auch der Kleine Jihad, die Anstrengung ein besserer Muslim zu sein, heißt, der Scharia zu universeller Geltung zu verhelfen. Tugend- und Suizidterror gehören zusammen, und Sex ist, außerhalb seiner Vermehrungsfunktion, dem Djihad untergeordnet.
Welches Menschenbild bezüglich Sexualität lehrt der Islam, so wie es sich aus den Quellen ergibt? Männer sind ursprünglich triebhafte Wesen, die ihre Sexualität nur mühsam beherrschen können. Der Islam sorgt daher für eine Maximierung der männlichen Triebabfuhr, durch Vielehe und mehrere Formen der sog. Genussehe. Die kürzeste Form, ganz legal mit religiös gesichertem Vertrag, beträgt eine Stunde. Männer sind wilde Tiere, wenn der australische Großscheich Scheich Hamid al-Hilali sagt: "Wenn man Fleisch unabgedeckt nach draußen auf die Straße stellt, in den Garten, in den Park oder auf den Hinterhof, dann kommen die Katzen und fressen es: Wessen Schuld ist das dann – die der Katzen oder die des unabgedeckten Fleisches? Das nicht abgedeckte Fleisch ist das Problem.”

Frauen haben sich daher zu verhüllen, sie sollen ihrem Mann vollständig gehorchen und ihm, also der Gemeinschaft (Umma), keine Schande machen. Die Sexualität der muslimischen Frau ist ganz dem Ehrbegriff der Familie und der Umma untergeordnet. Das größte Vergehen ist daher Zina, der außereheliche Geschlechtsverkehr. Schlimm ist die Untreue gegen den Mann, doch schlimmer ist die Beschädigung seines Rufes: der Verleumder einer unbewiesenen Vergewaltigung wird härter bestraft als der bewiesene Vergewaltiger. Wie auch derjenige, der eine Vergewaltigung zugibt härter bestraft wird als derjenige, der es nicht zugibt. Extra- Peitschenhiebe bzw. –Steine gibt es jeweils für die Beschmutzung der Umma. An dieser Stelle sollte jedem klar werden, was man den muslimischen Frauen im Westen durch die Zulassung von Scharia- Gerichten, schön umschrieben als sog. Friedensrichter, antut.

Was Thomas Maul an Zitaten hervorgräbt ist an keiner Stelle randständig, sondern entstammt immer dem islamischen Mainstream, kommt aus den autoritativen Texten und den führenden Rechtsschulen. Was für den westlichen Leser überrascht, ist die Fülle und Genauigkeit der Anweisungen. Es entsteht das Bild einer Religion, die besessen ist von allem, was mit Sex zu tun hat. Dabei ist der Ton des Buches niemals polemisch, sondern verharrt in einer sachlichen Nennung und Erklärung der Quellen. Bizarr bis komisch wird es, wenn es den Peniskult bei Kleinkindern beschreibt, dem Mütter, Großmütter und Tanten zu huldigen haben. Oder wenn es die in seiner Obsession und Systematik kaum zu überbietenden Belehrungen des Ayatollah Khomeini wiedergibt, der erklärt, wann das Gebet eines Muslim ungültig wird, wenn er seinen Penis wie tief, wie lange, in was alles, mit oder ohne Samenfluss, vor und nach dem Gebet steckt.

Und dann: "Gepriesen sei Allah, der die Ruten gerade und hart geschaffen hat wie Lanzen, um in den Vaginen Krieg zu führen und nirgendwo anders" so der schafiitische Jurist as-Suyuti. Intensiv bis unerträglich wird das Buch dann, wenn es um die Ausgeliefertheit muslimischer Frauen geht. Sei es beim Thema Vergewaltigung in der Ehe, dem Mythos der Defloration und dem Leid der Frauen, die keine Söhne, sondern nur Mädchen gebären. Am drastischsten beim Thema Vaginalverstümmelung. Eine Praxis, dessen Herkunft und Ausbreitung im Islam der Autor genau herleitet, um sodann, mit einer schlichten Beschreibung von Methoden und Werkzeugen, sowie einem Augenzeugenbericht den Leser in Angst und Schrecken zu versetzen. Zwei qualvolle Seiten, die jedem Beschöniger dieser Gräueltaten, wie z.B. der sog. Islamwissenschaftlerin Gudrun Krämer eine tägliche Bettlektüre sein sollten, weil sie es weiterhin nicht als ihre Aufgabe ansieht, es als einen Skandal zu verdammen, dass der bedeutendste sunnitische Rechtsgelehrte der Gegenwart, Yussuf al-Qaradawi die Beschneidung von Muslimas sogar in Europa empfiehlt. Es sind weltweit geschätzte 8000 Mädchen und Frauen täglich.

Trotzdem müssen in Deutschland der Postfeminismus und die Gender Studies "sich dem Thema noch nähern", wollen bezüglich Vaginalverstümmelung "neue Fragen stellen", denn man wolle auf einen "sensiblen, kritisch- reflektierenden und antirassistischen Umgang bestehen" und überhaupt sei schon die Benennung als Verstümmelung "rassistisch", Beschneidung sei daher treffender. An diesem Beispiel dekliniert der Autor die Begriffsakrobatik und Verlogenheit der westlichen Islam- Apologie, wie sie etwa bei den Gender Studies an der Humboldt- Universität betrieben wird. Die betroffenen Frauen, so heißt es in einem dort erschienenen Bulletin, würden sich nicht selbst verstümmelt fühlen und unbeschnittene Frauen könnten darunter leiden, sich aus der Gemeinschaft (der Beschnittenen) ausgeschlossen zu fühlen. Überhaupt sei es eurozentristisch, die Orgasmusfähigkeit zum Kriterium erfüllter (weiblicher) Sexualität zu erklären. Zudem sei die Genitalverstümmelung mit Schönheitsoperationen auf eine Stufe zu stellen, so die zwei Gender Studies- Expertinnen Christina von Braun und Bettina Mathes. Mehrfach wendet sich Maul, und hier lässt der Autor sein polemisches Talent erkennen, gegen diesen kulturrelativistischen Verrat der Postfeministinnen an ihren muslimischen Schwestern.

Und dies ist die eigentliche Polemik des Buches: Dass es die Islam-Apologeten geschafft haben die Diskussion im Westen zu pervertieren. Dass alle Probleme des Islam letztlich Folgen von Kapitalismus, Kolonialismus, Faschismus, Rassismus, etc. sind. Einerseits durch eine Gleichmacherei der Religionen (ja, aber die Kreuzzüge) und andererseits dadurch, das kulturell definierte Anderssein der Muslima als emanzipatorische Wahrung ihrer Identität auszugeben. Es geht so weit, dass Braun/Mathes Frauen, die ihr Kopftuch ablegen, kulturellen Verrat vorwerfen. Oder die Ikone des Poststrukturalismus und diesjährige Adorno- Preisträgerin Judith Butler die Burka zum emanzipatorischen Widerstand gegen us- amerikanische Vorstellungen von Sexualität stilisiert.


Die Gefahr geht für Thomas Maul deswegen nicht so sehr vom Islam aus, denn dessen Patriarchat musste mit der Globalisierung notwendig in eine Krise geraten, "sie machte stolze Söhne zu arbeitslosen Trotteln." "Was den Islam unmittelbar gefährlich werden lässt, das ist die in der Mitte der bürgerlichen Gesellschaft sich reproduzierende Bereitschaft, die zentrale Errungenschaft der eigenen Geschichte sowie den jüdisch- christlichen Anteil an ihr zu verraten. (…) Jedes Verständnis für den Islam mündet – wird es nur konsequent zu Ende gedacht – in einer Preisgabe der Zivilisation, mithin des Individuums und seines Anspruchs auf Glück"

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