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“Ruhrkent”: Bunter Staat – böser Staat?

Im neuen Roman „Ruhrkent“ über einen autonomen islamischen Staat im Ruhrgebiet klagt der türkische Staatsanwalt Ismail den deutschen Mitläufer wegen seiner Feigheit an: Er hätte erkennen müssen, dass die heutige Bunte Republik, ähnlich wie Hitlers Drittes Reich, am Ende nichts als „Straßen voller Leichen“ schaffen wird. Die Beweggründe für die Siedlungspolitik des heutigen bunten Staates erklärt Ismail mit ethischer Verdorbenheit unserer bunten Führer: Die Bunte Republik ist für ihn ähnlich bösartig wie das Dritte Reich, nur in „umgestülpter Richtung“. Ist das so? Leben wir in einem „bösen“ Staat?

Drei Kapitel beschäftigen sich in „Ruhrkent“ mit dem deutschfreundlichen türkischen Staatsanwalt Ismail: „Das Märchen von der Schildkröte“, in denen er eine Massenansiedlung von Deutschen in der Türkei beschreibt, „Die Knochenreste“, in denen er seine Abwendung von den Deutschen erklärt, und „Der siebte Akt“, in dem er den Helden mit all jenen unbequemen Fragen konfrontiert, um die die Deutschen üblicherweise einen Bogen machen, darunter der bunten Gretchenfrage: „Doch was war euer Ansporn, euer Land mit uns für alle Ewigkeit zu teilen?“

In diesem „siebten Akt“ – wie das ganze Buch in einem Versmaß abwechselnd betonter und unbetonter Silbe geschrieben – vergleicht Ismail die ethnische Siedlungspolitik unseres heutigen Staates mit einem Glücksspiel: Die Deutschen riskieren alles, die aus dem Ausland zuziehenden Personengruppen aber wenig bis nichts:

„Wir waren schließlich nie, wenn wir uns zum Gezocke trafen, gleichberechtigt, denn wir Angewanderten, die wir die schnelle Mark nicht scheuten, hatten wie ein Ass im Ärmel stets ein zweites Land als Rückhalt in der Hinterhand und durften uns somit um Kopf und Kragen wetten, weil wir nichts verlieren konnten, schlimmstenfalls ein wenig Kleingeld, ihr hingegen alles, Haus und Hof und euer Erbe und den Vorschuss, den ihr euch von euren Kindern ausgeliehen hattet, noch dazu.“

Ismail kann, wie viele Türken in Deutschland, nicht verstehen, warum die heutigen Deutschen die staatliche Siedlungspolitik und deren unkalkulierbare Risiken offenbar billigen. Er hinterfragt die Motivation der Deutschen:
„Worum, wenn wir doch ehrlich miteinander sprechen wollen, ging es eigentlich für euch bei diesem bis zum Äußersten, extremen, radikal getriebenen Gesellschaftsspiel?“

Der Held, genauso typisch für die meisten heutigen Deutschen, weigert sich, sich mit diesen Fragen auch nur ansatzweise auseinanderzusetzen:

„Auf solche Fragen aber gab es keine Antwort, hatte ich bereits in meiner Schulzeit lernen müssen. Solche Fragen störten nur den frohen Fluss des Denkens und den Frieden, hieß es immer, und der Frieden sei doch wichtiger als alle Fragen.“

Da der Held schweigt, sucht Ismail nach eigenen Erklärungen. Die üblichen Rechtfertigungen, die die Deutschen gern präsentieren, lehnt er ab. Er akzeptiert weder ein angeblich gutherziges Samaritertum noch eine angebliche moralische Verpflichtung infolge der NS-Herrschaft. Für Ismail verhalten sich die Deutschen vor allem obrigkeitshörig:

„Wie ein romantisches, verträumtes Mädchen schautet ihr vertrauensselig auf zu eurer Staatsgewalt mit ihrer Heerschar von Behörden und Beamten, jener staatlichen Gewalt, die euch so oft bereits um euren Frieden, eure Freiheit, euer Leben, euer Land betrog, den Eid, den sie euch gab, nach Kräften brach, (…) und euch zuletzt statt trauten Glücks verbrannte Häuser, Bomben, Straßen voller Leichen brachte.“

Ismail zieht hier Parallelen zwischen den (hoffentlich so nie eintretenden) Endergebnissen der Bunten Republik und den Endergebnissen des NS-Staates: „Straßen voller Leichen“. Den angeblich „guten“ Staat Bundesrepublik/ Bunte Republik, der mit seiner ethnischen Siedlungspolitik begann, „auf dem Schutt des alten Unheils gleich das nächste Unrecht zu erschaffen“, hält er für moralisch ähnlich verdorben wie das Vorgängersystem. Für ihn ist der deutsche Staat also eine historisch böse Macht, die ihre Boshaftigkeit nur diesmal nach innen, gegen die Deutschen, „in die umgestülpte Richtung“, lenkt, die „trickst“, „taktiert“, „Schutz- und Sorgfaltspflichten grob verletzt“, „Schaugefechte exerziert“ und den Deutschen „wie der Sandmann“ Sand in die Augen streut. Ismails Interpretation des deutschen Staates unterscheidet sich insofern erheblich von den Interpretationen der beiden anderen Hauptfiguren im Buch. Für den deutschen Rechtsanwalt Dräger handelt der Staat weder gut noch böse, sondern ist aufgrund seiner gesetzgeberischen Autorität immer im Recht, moralische Gesichtspunkte dieses Rechts sind für ihn irrelevant. Für den islamistischen Richter in den Schlusskapiteln spielt der Staat als politisch handelndes Subjekt überhaupt keine Rolle, der deutsche Staat ist für ihn nur ein getriebenes Objekt, die wirklichen Akteure sind für ihn die Gesetzlosen und Gewalttätigen.

Ismails Sichtweise vom bösen Staat führt ihn konsequent zu der unter den Türken seit Jahrzehnten diskutierten Frage, warum die Deutschen sich angesichts einer ganz offenkundig gegen sie selbst gerichteten Politik so apathisch verhalten:

„Und dann fragte er, ob ich ihm das erklären könne, so, dass er (…) verstehen könne, wie es kam, dass niemand Lärm geschlagen habe, und warum wir uns als Hausbesitzer wie die Untermieter weggeduckt und still verhalten hätten, statt auf unser Recht zu pochen, bei den neuen Mitbewohnern auch ein Wörtchen mitzureden.“

Diese Apathie der heutigen Deutschen ist für ihn ein Verstoß gegen das „ungeschriebene, jedoch verpflichtende Vertragswerk zwischen voneinander abhängigen, schicksalhaft verketteten Generationen“. Billige Ausreden („Wir haben nichts davon gewusst“) lässt Ismail nicht gelten. In der Tat: Hätten die Deutschen sich kritischer und oppositioneller verhalten, hätte der Staat seine Siedlungspolitik nicht in dieser Form und in dieser Radikalität betreiben können. Ismail gibt daher den staatlichen Verantwortungsträgern zwar die Hauptschuld, fragt aber auch nach der Mitschuld der biederen Mitläufer:

„Habt ihr nicht vielmehr genau gewusst, was in den Hinterzimmern abseits des Getöses und im Schutz des Dämmerlichts getrieben wurde, und habt ihr, statt mutig einzuschreiten, euch nicht feige abgewandt, wie auch der eilige Passant spät nachts den Hut ein wenig tiefer zieht, wenn plötzlich, gellend laut, aus dem Gebüsch ein Schmerzensschrei zu hören ist, Herr Angeklagter?“

Auf der Suche nach dem Schuldigen ändert der Staatsanwalt Ismail also die Anklage. Aus seiner Sicht geht es in diesem Gerichtsverfahren nicht um Schuld oder Unschuld des Heldens wegen eines Verstoßes gegen das Ortsnamensrecht. Es geht um die sehr viel größere Schuldhaftigkeit des Heldens aufgrund seines fehlenden Aufbegehrens gegen eine ihrem Wesen nach unrechtmäßige Politik, den Hochverrat der politischen Verantwortungsträger, der sich in der Gründung eines fremden Staatswesens in Deutschland offenbart. Der Held weist den Vorwurf zurück:

„Unser Land war mir in Wahrheit niemals gleichgültig gewesen, doch ich hatte seine Zukunft eher wie ein kühnes, auf dem Reißbrett oder am Labortisch ausgetüfteltes Versuchsexperiment betrachtet (…). Nicht aus Feigheit, sondern gutem Glauben hatte ich geschwiegen, dass am Ende des Experiments ein neues Wundermittel, wie der Stein der Weisen etwa, in das Reagenzglas fiel und ich die tieferen Zusammenhänge der Apparatur, weil ich zu dumm war, einfach nicht verstand.“


Die Begegnung zwischen dem Romanhelden und dem Staatsanwalt Ismail berührt insofern genau die Fragen, die uns unsere Enkel millionenfach stellen werden: Wer trägt die Schuld an der totalen Bunten Republik? Sind nur die direkten Verantwortungsträger in Politik und Verwaltung „schuldig“ oder auch die vielen kleinen Mitläufer? Und ist der „gute Glauben“ dieser Millionen von deutschen Mitläufern eine ausreichende Entschuldigung, die vor dem Urteil unserer Enkel Bestand haben wird?

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