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Der fatalste Anschlag auf eine Kirche in Ägypten

Der folgenreichste Anschlag auf die christliche Minderheit in Ägypten fand dem 11. Dezember 2016, statt. Die Kirche war voll, als sich die Gläubigen in der Kirche St. Peter und Paul in Kairo zum Sonntagsgottesdienst versammelt hatten. Da detonierte die Bombe. Mindestens 27 Gottesdienstbesucher, meist Frauen und Kinder, wurden dabei getötet, 65 schwer verletzt. Der Zustand zahlreicher Verletzter ist noch kritisch, so dass sich die Zahl der Toten weiter erhöhen kann.

Wie imatlichen Sicherheitskräfte nicht da und ist die Polizei nach der Explosion erst mit übermässiger Verzögerung vor Ort erschienen. Ersten Ermittlungen zufolge wurde die Bombe in einer Handtasche in die Kirche gebracht und unter einer der hinteren Bänke im für Frauen reservierten Bereich deponiert.

Verstümmelte Leichen bedeckten den Boden der Kathedrale. "Ich habe auf den Bänken viele Tote gesehen, viele von ihnen Frauen. Es war ein schrecklicher Anblick", so eine der Zeuginnen.

"Ich habe gesehen, wie die kopflose Leiche einer Frau weggetragen wurde", sagte Mariam Shenouda.

"Alle standen sie unter Schock. Wir haben menschliches Fleisch vom Boden aufgekratzt. Da waren tote Kinder. Was haben sie denn getan, um so etwas zu verdienen? Ich wünschte, ich wäre mit ihnen gestorben, anstatt mit diesen Bildern leben zu müssen."

Angesichts der Schwere und Anzahl der Toten übersteigt dieser Anschlag bei weitem jenen, der bislang als der opferreichste Angriff auf eine Kirche in Ägypten galt: der Bombenanschlag auf die Kirche in Alexandria, der am Neujahrstag 2011 23 Menschenleben forderte.

Auch war der Anschlag noch weitaus symbolträchtiger: Die Kirche St. Peter und Paul steht neben der Sankt-Markus-Kathedrale, wo das Oberhaupt von Ägyptens koptisch-orthodoxer Kirche, Papst Tawadros der Zweite, seinen Sitz hat.

Es gereicht Präsident Sisi zur Schande, dass der tödlichste Übergriff auf eine Kirche in Ägypten unter den Augen seiner Sicherheitskräfte stattgefunden hat. Auf der anderen Seite ist das auch nicht verwunderlich, bedenkt man, wie wenig sich faktisch für die Christen in Ägypten geändert hat, seit Sisi Mursi und seine Muslimbrüder 2012 aus dem Amt gedrängt hat.

Auch wenn westliche Nachrichtensender nicht darüber berichten, so wurden in den vergangenen Wochen und Monaten verschiedentlich Terroranschläge auf Kirchen in Ägypten verübt, die allerdings alle erfolglos blieben. Erst im November warf ein Mann eine selbstgebaute Bombe auf den Eingang der St.-Georgs-Kirche im ägyptischen Samalut. Wäre die Bombe detoniert (und nicht rechtzeitig entschärft worden), wäre es zu einem Blutbad gekommen, denn in der Kirche hatten sich aufgrund des Feiertags mehrere tausend Gläubige zum Gottesdienst eingefunden.

Auch steigt die Zahl der zum Teil tödlichen Übergriffe auf Christen durch aufgebrachte muslimische Gruppierungen auf das blosse Gerücht hin, der Bau einer Kirche oder ein Treffen zum Gebet in einer Hauskirche sei geplant. Vergangenen Sommer haben in Minya — dem gleichen Ort, wo einer 70-jährigen Christin die Kleider vom Leib gerissen wurden und sie anschliessend geschlagen, bespuckt und unter Pfiffen, Jubel und "Allahu Akbar"-Rufen durch die Strassen getrieben wurde — randalierende Moslems die Häuser 80 christlicher Familien niedergebrannt, nachdem es gerüchteweise hiess, diese wollten eine Kirche errichten.[1] "Niemand ist eingeschritten und die Polizei hat weder Schutzmassnahmen noch Sicherheitsvorkehrungen im Vorfeld der Übergriffe ergriffen", so Bischof Makarios. Er hat ebenfalls ausgesagt, dass Christen "jeden zweiten oder dritten Tag" in Minya Opfer von Übergriffen werden, bei denen die Behörden wegsehen, sofern sie diese nicht sogar unterstützen oder ermöglichen.

Selbst das vielbeschworene neue Gesetz, das Christen angeblich gestattet, Kirchen zu errichten, wurde von christlichem Klerus, Aktivisten, örtlichen Menschenrechtsgruppen und christlichen Parlamentariern kritisiert. Sie sagen, damit ende die Diskriminierung der Christen bei Weitem nicht, denn es ändert nichts an der Sicherheitslage, bei der die Entscheidung für oder gegen einen Kirchenbau von einem gewalttätigen Mob gefällt wird.

Vor kurzem wurde im Ort Naghameesh das von Christen als Gottesdienstraum genutzte Gebäude von wütenden Muslimen in Brand gesteckt. Anschliessend wurde ein "Versöhnungstreffen" von Spitzenbeamten abgehalten. Wie immer wurde die "Brüderschaft aller Ägypter" — Christen und Muslime — unterstrichen, aber sobald es um die Frage der gleichberechtigten Religionsausübung von muslimischen Ägyptern und ihren christlichen Brüdern ging, verweigerte die Mehrheit der muslimischen Führer und ihre Familienmitglieder den ortsansässigen Christen einen Versammlungsort. Vonseiten der Behörden kam keine Unterstützung für die Christen.

"Wir verstehen nicht, was so gefährlich daran ist, wenn Kopten beten und ihre Rechte dahingehend geltend machen", sagte ein örtlicher Christ.

Zu der Kränkung kommt nun auch die Beleidigung: Die ägyptische Regierung hat erst vergangene Woche vollmundig erklärt, dass sie jede Woche 10 neue Moscheen eröffnen wolle, dass 3.200 Moscheen wegen dringender Renovierungsarbeiten geschlossen wurden und die Regierung aktuell Arbeiten an 1.300 davon durchführen lässt, dass die Investition in die Renovierung etwa 60 Millionen Ägyptische Pfund (3,3 Millionen USD) betragen wird, die Regierung allerdings Mittel in zehnfacher Höhe bereitstellt, wobei insgesamt drei Milliarden Ägyptische Pfund benötigt werden und dass die ägyptische Regierung diese Gelder gerne zur Verfügung stellt, denn — "wer immer [für religiöse Zwecke bestimmte] öffentliche Mittel verschwendet, erklärt Allah den Krieg". Diese Ankündigung kam von Dr. Muhammad Mukhtar Goma, Minister für Awqaf, oder Zuwendungen. Wenn allerdings die Minderheit der 10 Millionen Christen eine Kirche bauen — und dies aus eigener Tasche finanzieren — möchte, ist das Wehklagen in Ägypten gross.

Dass sich für die Christen in Ägypten nichts geändert hat, wurde sogar von Sheikh Ahmed al-Tayeb bestätigt, der wichtigsten religiösen Autorität und Grossimam der Al-Azhar-Universität in Kairo, welche die in der sunnitisch-muslimischen Welt renommierteste madrassa ist. In einem jüngst im Fernsehen ausgestrahlten Interview verteidigte al-Tayeb den Rückgriff der Al Azhar auf im Mittelalter verfasste Werke, die Reformer gerne aus den Lehrplänen streichen möchten, vertreten diese doch den radikalsten Zweig des Islam — der unter anderem auch zur Tötung von Abtrünnigen, Verbrennung von Ungläubigen und Verfolgung von Christen aufruft.

Al-Tayeb machte sich darüber hinaus über die Vorstellung eines "korrigierten religiösen Diskurses" lustig — ein Konzept, das von dem ägyptischen Präsidenten Abdel Fattah el-Sisi aufgestellt wurde, der 2015 die Al Azhar und deren führende Lehrer aufgerufen hat, ihren Lehrplan zu reformieren. Zwar sass al-Tayeb während der Rede von el-Sisi in der ersten Reihe distanziert sich jedoch inzwischen davon: "Die Al Azhar wird den religiösen Diskurs nicht korrigieren – die Al Azhar steht für den wahren religiösen Diskurs, den wir von unseren Religionsgelehrten erlernt haben", sagte die oberste muslimische Autorität Ägyptens.

Dies umfasst die von den islamischen Religionsgelehrten — ʿUlamā' — erlassenen Gesetze, welche den ägyptischen Muslimen das Recht zugestehen, allen unterworfenen Bewohnern des Landes — in Ägypten also den ungläubigen Christen — den Bau von Kirchen zu verweigern und diesen verbieten, sich zu beklagen oder gleiche Rechte einzufordern; stattdessen sollen sie dankbar sein, dass es ihnen gestattet ist, am Leben zu bleiben.

Kurz gesagt hat sich für die ägyptischen Christen nicht nur nichts geändert, der fatalste Anschlag auf eine Kirche in der jüngeren Geschichte fand gerade jetzt statt, nicht unter Mubarak oder Mursi, sondern unter Präsident al-Sisi. Was schlägt dieser vor, dagegen zu tun?

Raymond Ibrahim ist ein US-amerikanischer Autor und Kolumnist. Er konzentriert sich auf arabische Geschichte und Sprache sowie heutige Entwicklungen.

[1] In der Menge standen Frauen und Kinder, die "Allahu Akbar!" und "Wir brennen die Kirche nieder, wir brennen die Kirche nieder" riefen. Wenngleich es Muslime waren, die Christen angriffen, sprach das ägyptische Fernsehen von einem "konfessionellen Konflikt". Selbst die hinzugekommenen Polizisten griffen nicht ein, als der Mob weiterhin randalierte, plünderte und weitere Häuser und Autos von Christen in Brand setzte. Die Muslime hielten ihr Nachmittagsgebet anschliessend vor den intakten Häusern der Christen ab — die Lautsprecher ostentativ auf ihre Türen gerichtet.






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