Direkt zum Hauptbereich

"Christen sitzen in der Falle"

Die islamistische Gruppe "ISIS" will im Irak und Syrien einen Gottesstaat errichten und wird immer stärker. Christen geraten zwischen die Fronten. Daniel Ottenberg vom christlichen Hilfswerk Open Doors beobachtet die Situation. Ein domradio.de-Interview.

domradio.de: Immer mehr Medienberichte sprechen von einer Ausbreitung radikaler Islamisten, sowohl im Irak als auch in Syrien. Teile der irakischen Westprovinz al-Anbar wurden bereits eingenommen. Was bedeutet das denn für die Menschen, für die Christen vor Ort?

Ottenberg: Nun, das bedeutet, das die Gruppe "Isis", die Sie ja gerade vorgestellt haben, einen strikten Gottesstaat in den Teilen des Landes oder der beiden Länder, sowohl in Syrien als auch im Irak, durchsetzt, die Teile, die sie erobert haben, und auch die Scharia durchsetzt. Das heißt, jeder, der nicht dieser strikten Form des Islam folgt, wird in große Schwierigkeiten kommen und das betrifft natürlich auch die christliche Minderheit in beiden Ländern.

domradio.de: Noch leben ja Christen im Norden und Westen des Iraks, sie sind zum Teil bereits auch aus Syrien geflohen. Wie sieht die Situation denn konkret für diese Minderheit aus?

Ottenberg: Christen sitzen letzten Endes in der Falle. Es ist zunehmend schwieriger für die Christen, im Land zu bleiben, obwohl sie es wirklich gerne wollen. Es ist ihre Heimat, die Christen leben dort quasi seit Anbeginn des Christentums und es ist aber sehr, sehr schwierig für sie, zu bleiben, weil sie von beiden Seiten sozusagen attackiert werden, weil sie zwischen die Fronten geraten. Wenn die irakischen Soldaten, wenn die irakische Regierung, beispielsweise versucht, Falludscha oder andere Orte zurückzuerobern, wird auf Christen, die dort irgendwo zwischen den Fronten sind, keine Rücksicht genommen. Das heißt, die Situation ist wirklich katastrophal.

domradio.de: Das heißt, wie verhalten sich denn die Christen dort vor Ort?

Ottenberg: Das eine ist, was man sagen muss, die Christen haben einfach sehr viel Angst. Es ist ja bei uns in den Medien nicht besonders durchgedrungen, dass es am Ersten Weihnachtsfeiertag wieder einen großen Bombenanschlag gab vor einer katholischen Kirche, wo überwiegend Christen ums Leben gekommen sind. 26, wenn man es in den Berichten nachliest. Und das ist ja nicht der erste Anschlag, das heißt, die Christen haben wirklich Angst. Teilweise werden sie ganz gezielt attackiert. Sie versuchen natürlich - wir kommen gerade von Weihnachten her - die Botschaft von Weihnachten, die Botschaft der Versöhnung zu leben, aber das fällt ihnen wirklich schwer.

domradio.de: Das heißt, ihre einzige Option ist im Prinzip die Auswanderung?

Ottenberg: Viele fliehen und viele sind auch insbesondere aus Syrien geflohen. Und natürlich auch viele Iraker, als im Irak noch Krieg herrschte, sind nach Syrien geflohen. Und dann ist die Situation in Syrien katastrophal geworden. Sie sind teilweise zurückgegangen in den Irak und nun kommt die "Isis" und erobert da Gebiete. Also, es ist wirklich kaum noch ein Raum da, ein Platz da, an dem die Christen bleiben können. Viele gehen auch in den Norden des Irak, in die kurdischen Gebiete, die ja eine gewisse Autonomie haben. Aber selbst dort wird es für die Christen zunehmend schwieriger.

domradio.de: Wie einfach ist es denn, gerade für Christen, in europäische Länder auszureisen, insbesondere nach Deutschland?

Ottenberg: Das ist nicht besonders einfach. Sie müssen ja ausgewählt werden, es wird also ein Verfahren durchgeführt, mit dem Leute ausgewählt werden, und Deutschland hat schon eine ganze Reihe, gerade christliche Syrer aufgenommen. Aber es müsste immer noch mehr getan werden. Aber man muss natürlich auch sehen, in Syrien leben immer noch ungefähr 1,3 Millionen Christen und im Irak leben, je nach Schätzung, zwischen 300 000 und 500 000 Christen. Also, das ist auch eine gewaltige Zahl, da kann Europa vermutlich gar nicht alle aufnehmen.

domradio.de: Was können wir denn in Deutschland tun für die Menschen dort?

Ottenberg: Also das erste, und das ist auch das, was uns die Christen dort vor Ort immer wieder sagen, sei es die einfachen Christen oder auch die Bischöfe, betet für uns. Das ist das erste und wichtigste. Bitte beten Sie für die Christen dort. Dass ein Wunder geschieht, denn nichts anderes brauchen diese beiden Länder. Und das andere ist: informieren Sie sich. Am Mittwoch wird ja unser neuer Weltverfolgungsindex erscheinen, dafür haben wir wieder ein Sonderheft mit vielen Informationen, auch zu Syrien, auch zum Irak herausgegeben. Bestellen Sie das über unsere Homepage, besorgen Sie sich Informationen, damit Sie wissen, was dort geschieht. Denn das ist in den Medien leider nicht so sichtbar, was dort mit den christlichen Minderheiten geschieht. Es ist natürlich für alle ganz schrecklich, aber die Christen haben keinen Ort, wo sie hingehen können. Deswegen: informieren Sie sich, beten Sie und helfen Sie auf diese Weise.

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

270 Millionen Nichtmoslems durch islamischen Dschihad getötet

270 Millionen – andere Schätzungen gehen von 300 Millionen – “Ungläubige” wurden bislang in den 1400 Jahren der Terrorherrschaft der selbsternannten “Friedensreligion” im Namen Allahs ermordet. Das letzte, was viele dieser Opfer hörten, bevor man ihnen den Kopf abschlug oder, wie es für Nichtmoslems vorbehalten ist, langsam vom Hals Richtung Nacken abschnitt -eine besonders grausame, menschenunwürdige und das Leiden verlängernde Tötungsform (wird bis heute in Syrien und im Irak etwa angewandt) wobei die Dschihadisten das Abschneiden immer wieder unterbrechen, um sich am Röcheln und Todeskampf ihrer Opfer zu ergötzen) – das letzte also, was die meisten Opfer hörten waren hysterische “Allahu-akhbar”-Rufe aus den Kehlen ihrer Mörder. Niemand soll sagen, diese Grausamkeiten hätten nichts mit dem Islam zu tun. Sie sind im Gegenteil eine religiöse Pflicht jedes Dschihadisten. Denn Allah befiehlt an 216 Stellen des Koran, dass “Ungläubige getötet werden müssten. Und Mohammed befiehlt dies an…

Der Schleier der Angst von Samia Shariff

Es war ein strahlender, eiskalter Januartag, an dem ich das Manuskript von Samia Shariff erhielt. Man erklärte mir in aller Kürze, dass eine Frau algerischer Herkunft, Mutter von sechs Kindern und heute in Kanada lebend, darin ihr dramatisches Leben und ihre gewagte Flucht aus ihrem Land beschreibt. Von Anfang an zog mich Samias aufwühlende Geschichte in ihren Bann. Sie enthielt viele verstörende Einzelheiten, aber ich musste diese bewegenden Seiten einfach zu Ende lesen. Und schließlich wusste ich ja, dass es der Erzählerin gelungen war, ihrem bedrückenden Schicksal zu entkommen.
Ich brauchte länger als erwartet, um die Flut von Frauenbildern zu bewältigen, die mir durch Samias Geschichte vor Augen getreten waren ... Zu viele eigene Erinnerungen kamen an die Oberfläche wie bei einem aufgewühlten Fluss. Ich konnte mir Samias Empfindungen sehr gut vorstellen - als kleines ungeliebtes Mädchen; als Heranwachsende, die ihre weiblichen Formen verbergen musste; als Fehlleistung ihrer Mutter,…

Wir befinden uns im Kriegszustand

Der Islamische Staat ruft schon seit Monaten alle Moslems in Europa auf, den Dschihad zu beginnen. Die grausamen Terror-Anschläge häufen sich mittlerweile und die Mainstreampresse versucht krampfhaft, den Islam aus all diesen Vorfällen herauszuhalten. Vertuschen, Schönfärben und Leugnen ist angesagt. Einzelne wagen sich aber schon so langsam aus der Deckung heraus und beginnen, sich ansatzweise mit der Wirklichkeit zu beschäftigen. Stefan Aust hat in seinem Artikel„Islamismus – Wir befinden uns im Weltkrieg gegen den Terror“, veröffentlicht in der WELT, einen ersten zaghaften Schritt in die richtige Richtung gemacht.
Leider aber immer noch politisch korrekt mit dem Kunstbegriff „Islamismus“ statt „Islam“ und der fehlenden Aufklärung, dass der Terror seit den Anfangszeiten unter Begründer Mohammed integraler Bestandteil dieser totalitären Ideologie ist. Aust schreibt:
Ermordete Urlauber in Tunesien, ein abgetrennter, aufgespießter Kopf in Frankreich, die Serie der abscheulichen Mordtaten…