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Ibn Warraq: Wieviel Islam ist im islamischen Terrorismus ?

Gegenwärtig erlebt die Welt eine massive Welle islamischer Terrorattentate. Kaum eine Woche vergeht ohne solch ein Attentat, das irgendwo auf der Welt stattfindet. Manchmal führen militante Muslime mehrere solcher tödlichen Anschläge an nur einem Tag aus.
Quelle: Gates of Vienna
Übersetzt von EuropeNews
Europa und der Westen sind in steigendem Maße Zielscheibe des tödlichen Terrors. Westliche Politiker und Medien sind rasch dabei mit der Behauptung, dass die mörderischen Attentate, die von militanten Muslimen ausgeführt werden, nichts mit dem Islam zu tun haben. Der geschätzte Autor Ibn Warraq widerlegt diese falsche Behauptung in seinem neuesten Buch „The Islam in Islamic Terrorism: The Importance of Beliefs, Ideas and Ideology“.
Das Buch ist vollgepackt mit Beispielen und zeigt die Kontinuität der islamischen Gedankengänge und Praktiken über mehr als tausend Jahre hinweg. Es beinhaltet auch Zitate der Charidschiten, von Ahmad ibn Hanbal, Al-Ghazali, Ibn Abd al-Wahhab, Syed Abul A’la Maududi, dem palästinensischen Großmufti Haj Amin al-Husaini, der ein glühender Unterstützer der Nazis war, Hassan al-Banna, Sayyid Qutb und anderen Mitgliedern der Muslimbruderschaft, Muhammad abd-al-Salam Faraj, Abdullah Azzam, Ayman al-Zawahiri und Ayatollah Ruhollah Khomeini.
Viele führende Köpfe der internationalen jihadistischen Bewegungen waren Mitglieder der Muslimbruderschaft. Das reicht von Sayyid Qutb und Abdullah Azzam bis zu Ayman al-Zawahiri, dem Anführer des Terrornetzwerks al-Qaida nach dem Tod Osama bin Ladens und Abu Bakr al-Baghdadi, dem selbsternannten Kalifen des Islamischen Staats (ISIS).
Der Autor schreibt:
Um die Verhaltensweise islamischer Terroristen zu verstehen, um einen Sinn hinter ihren Motiven zu finden, müssen wir ihren Glauben ernst nehmen. Die Taten von ISIS ,oder den Taliban, oder jeder anderen jihadistischen Gruppe sind keine gewaltsamen Zufallshandlungen eines Mobs psychopathischer, sexuell frustrierter, verarmter Vandalen, sondern es sind sorgfältig und strategisch geplante Operationen, die Teil einer langandauernden Kampagne reicher Muslime sind, die das Establishment eines islamischen Staats entstehen lassen wollen, der auf der Scharia beruht – dem islamischen heiligen Gesetz, das sich aus dem Koran ableitet, der das buchstabengetreue Wort Gottes ist und aus der Sunna des Propheten und den Überlieferungen (Ahadith), das sind die Worte und Taten Mohammeds und seiner Gefährten. Der islamische Terrorismus ist in den vergangenen 40 Jahren auch nicht aus dem Nichts entstanden. Seit seiner Gründung im siebten Jahrhundert sind gewalttätige Bewegungen entstanden, die immer wieder versuchten den wahren Islam zum Leben zu erwecken, was nach Ansicht ihrer Mitglieder in muslimischen Gesellschaften vernachlässigt wurde, weil sie nicht nach den Idealen der frühen Muslime lebten.[1] 
Ibn Warraq erinnert uns daran, dass „der Islam jedoch sehr viel allumfassender und totalitärer ist als etwa Marxismus oder Christentum. Der Islam ist beides, religiöser Glaube und politische Ideologie, und er überblickt jeden Aspekt muslimischen Lebens – von dem was ein Nichtmuslim als unbedeutendes Detail ansieht (beispielsweise wie man einen Zahnstocher benutzt) bis hin zu größeren Dingen wie Gebet, Pilgerreise und Ehe. Der Islam bietet einer persönlichen und gruppenbezogenen Identität eine mächtige Bedeutung.“ [2]
Nach Ansicht der meisten Gelehrten haben die Muslime die Pflicht das Richtige zu fordern und das Falsche zu verbieten. Mit „richtig“ meinen sie alles, was Allah und sein Prophet befohlen haben und mit „falsch“ was sie verboten haben:
Weil das Verbieten des Falschen eine islamische Praktik ist, die den Menschen sagt, was sie zu glauben haben, erinnert uns dies an den grundlegenden Unterschied zwischen dem Islam und dem westlichen Liberalismus. Wie ich bereits einmal schrieb, unter dem Islam ist das Leben ein geschlossenes Buch. Alles wird für den Menschen entschieden: Das Diktat der Scharia und das Gutdünken Allahs setzen der möglichen Agenda unseres Lebens enge Grenzen. Im Westen steht es uns als Individuen frei unsere Ziele selbst zu wählen und unseren Weg zu bestimmen und zu entscheiden, welchen Sinn wir unserem Leben geben. Roger Scruton hat einmal angemerkt, dass „die Herrlichkeit des Westens diejenige ist, dass das Leben ein offenes Buch ist.“[3]
Behauptungen, dass der Begriff „Jihad“ hauptsächlich friedlich gemeint sei, den inneren Kampf gegen sich selbst bezeichne, sind nicht glaubhaft. Es gibt hunderte Quellen für den militanten Jihad in den wichtigsten Hadith Sammlungen, Kommentaren zum Koran, Rechtsbüchern aus allen Schariaschulen und so weiter. Es scheint keinerlei Werk zu geben, das sich ausschließlich mit dem spirituellen Jihad befassen. Das ist ganz klar eine abgeleitete Form, weil sie in keiner der kanonischen Sammlungen der Hadith erwähnt wird:
Während die Wurzel des Wortes Jihad 'streben oder sich anstrengen' bedeutet, ist die wichtigste Bedeutung 'Kriegsführung mit spiritueller Bedeutung', das heißt kämpfen in militärischem Sinne, oder bewaffneter Kampf für die Sache Gottes (fī sabīl allāh). Ziel des Jihads ist die Verbreitung des Islams und er ist eine religiöse Pflicht aller gesunden männlichen Muslime. Ziel ist die Welt dem Islam zu unterwerfen und ein Evangelium eines absoluten kompromisslosen Monotheismus zu verbreiten, wie er im Koran geschrieben steht. Durch seine Natur ist der Jihad ein Dauerzustand und kann nur dann ausgesetzt werden, wenn die gesamte Menschheit sich dem Islam unterwirft – wenn das letzte Dar al-Harb, ein Land das noch nicht vom Islam beherrscht wird, zum Dar al-Islam geworden ist, ein Territorium auf dem die Verordnungen des Islams vollständig verbreitet wurden – wo die Scharia als höchstes Recht gilt.[4] 
Ibn Warraq beweist, dass es seit mehr als tausend Jahren eine starke Kontinuität islamischen Denkens über jihadistische Gewalt gibt, die auf die wichtigsten islamischen Quellen zurückgehen, den Koran und die Hadith (die Worte und Taten von Mohammed und seinen Gefährten) und auf Mohammeds persönliches Beispiel (Sunna).
Der Jihad wird oft als die sechste Säule des Islams betrachtet. Laut dem Koran besitzen die Muslime alleine die absolute Wahrheit und sie stellen die Besten der Besten aller Nationen. Sie sollten alle anderen Menschen regieren, weil sie überlegen sind. Der ultimative Zweck des Jihads ist die Eroberung und das Dominieren aller Nichtmuslime. Es ist nie eine rein defensive Doktrin gewesen. Seit dem siebten Jahrhundert führt der aggressive und gewalttätige Jihad Krieg, um die Grenze des Islams weiter vorwärts zu schieben. 
Die Muslime können keine andere Religion oder Verfassung dulden. Ein Muslim hat das Recht, sogar die Pflicht, jeden zu bekämpfen, der ihn daran hindert den Islam und die islamische Herrschaft zu verbreiten. Das wird als Defensivmaßnahme definiert. Es ist eine Pflicht für alle Muslime die Botschaft des Islams zu verbreiten und jeder, der sich in den Weg stellt muss im militärischen Sinne bekämpft werden, wenn Worte nicht ausreichen: 
Lav sagt, es gibt keine spezifischen Konflikte, es handelt sich nicht um etwas, das wir, im Westen getan hätten, es handelt sich einfach um die Tatsache, dass wir den Koran als Blaupause für unser Gesellschaftsmodell nicht akzeptieren. Unsere simple Existenz stellt genug Provokation dar. Es ist die Pflicht der islamischen Terroristen eine Gesellschaft zu erschaffen, die vom Gesetz Gottes regiert wird, so wie es der Koran vorgibt. Die islamischen Terroristen in der gesamten islamischen Geschichte werden von denselben Überlegungen geeint: Dem Wunsch nach einer Rückkehr zur Reinheit ihrer Vorfahren (salaf), einer Ablehnung von Innovationen (bida), einer rigorosen Zugehörigkeit zum Konzept des tawhid (Einheitlichkeit Gottes), der Pflicht dem Prinzip 'Das Richtige befehlen' und 'das Falsche verbieten' nachzukommen und der Notwendigkeit dies auszuführen für Gott, durch den Jihad in seinem militärischen Sinn. Sie alle greifen auf dieselben Quellen zurück, vor allem auf den Koran, sie alle zitieren dieselben Verse aus denselben Suren, Seite auf Seite.[5]
Die Motivation Ibn Abd al-Wahabs, der im 18. Jahrhundert den Wahabismus bzw Salafismus gegründet hat, waren keine anti-kolonistische Ideen. Er war sich noch nicht mal der europäischen Präsenz in der islamischen Welt bewusst. Ihm ging es hauptsächlich darum den Islam von seinen gottlosen Aussagen zu reinigen 
Ein typisch militanter Muslim kommt aus der Mittelklasse und hat mindestens eine mittlere Schulausbildung. Islamischer Terrorismus wird nicht durch Armut, fehlende Bildung, den israelisch-arabischen Konflikt, die Außenpolitik der USA, den ehemaligen Imperialismus, oder die Kreuzzüge ausgelöst. Die Ursache des islamischen Terrorismus liegt in den islamischen Texten und den Lehren des Korans, die von den Jihadisten ausführlich zitiert werden.
Viele Liberale im Westen scheinen anzunehmen, dass die islamischen Terrorattentate in der westlichen Welt durch etwas Schlimmes verursacht wurden, das 'wir' 'ihnen' angetan haben, eine Form der Aggression, die gerächt werden muss. Sie verstehen nicht, dass es ihre reine Existenz ist, die die Muslime herausfordert. Die schiere Existenz einer nichtmuslimischen Gemeinschaft irgendwo auf der Welt, die sich eine säkulare Gesetzgebung gegeben hat, stellt eine Beleidigung dar und eine Form der Aggression gegen die gottgegebene Vorherrschaft des Islams. 
Syed Abul A'la Maududi war ein ziemlich einflussreicher moderner islamischer Schriftsteller, insbesondere auf dem indischen Subkontinent. Maududi erklärt in seinem Aufsatz den Jihad im Islam so:
Die Wahrheit ist aber, dass der Islam keine Bezeichnung für eine 'Religion' ist, auch ist 'Muslim' nicht der Name einer 'Nation'. In Wahrheit ist der Islam eine revolutionäre Ideologie und ein Programm, das versucht, die alte soziale Ordnung der gesamten Welt zu verändern und es in Konformität mit seinen eigenen Zielen und Idealen wiederaufzubauen. 'Muslim' ist der Titel der Internationalen Revolutions Partei ,die von Islam organisiert wurde, um seine revolutionären Programme umzusetzen. Und 'Jihad' bezieht sich auf den revolutionären Kampf und die letztendliche Ausführung, die die islamische Partei ins Spiel bringt, um dieses Ziel zu erreichen.[6] 
Maududi wollte alle menschengemachten Gesetze überall durch das gottgegebene Gesetz, die Scharia, ersetzen. Die Botschaft könnte nicht deutlicher sein: Der Islam muss die Erde erobern. Nicht nur Teile der Welt sondern alles. Der Zweck des Jihad ist totalitär: Er fordert das Engagement aller Muslime bis unser gesamter Planet nach den Vorschriften des Islams regiert wird. Alle anderen Ideologien, wie Systeme wo menschengemachte Gesetze herrschen, sind Feinde. Der Islam will alle Staaten und Regierungen, die sich gegen die Ideologie und das Programm des Islams stellen, überall vom Antlitz der Erde tilgen. 
Die verschiedenen Hadithen Sammlungen widmen sich ausführlich der psychologischen Kriegsführung als wichtiger Komponente des Jihad., um Angst unter den Nichtmuslimen zu verbreiten. Der pakistanische Brigadier General S.K. Malik führte dies in seinem Werk The Quranic Concept of War aus. Die Muslime sollten idealerweise den Willenskrieg gewinnen bevor der Muskelkrieg beginnt. Der letztendliche Zweck von Terrorattentaten ist es, den Glauben der Feinde zu zerstören, seinen Willen zu brechen und ihn zur Unterwerfung zu zwingen: „Den Terror in die Herzen der Feinde zu pflanzen ist nicht nur ein Mittel, es ist der eigentliche Endpunkt,“ stellt Malik fest, „Es ist der Punkt wo sich Mittel und Endpunkt treffen und verschmelzen. Terror ist nicht ein Mittel, um dem Feind eine Entscheidung abzupressen, sondern es ist die Entscheidung, die wir ihm aufzwingen wollen.“[7] 
Es gibt ideologische Unterschiede zwischen Sunniten und Schiiten auf einigen Gebieten. Aber die beiden Hauptrichtungen des Islams glauben an den Gebrauch des gewalttätigen Jihad, um die weltweite Vorherrschaft des Islams zu erringen und um das Gesetz Allahs zu institutionalisieren. Ibn Warraq kommt zu folgendem Schluss:
Der Iran repräsentiert den fundamentalistischen islamischen Wunsch, einen islamischen Staat, und die Konsequenz dies zu erreichen: Staatlichen Terror. Anstelle einer Utopie ist der Iran ein totalitärer Alptraum, ein vorhersehbares Ergebnis, wenn man an die Prämisse denkt. Es gibt keine Zweideutigkeit an dieser Aussage. Ayatollah Khomeini wurde in einer wohlhabenden Familie geboren und wurde Gelehrter mit einer profunden Kenntnis des Korans und der Sunna, der sein ganzes Leben lang den Islam studiert und gelehrt hat. Deshalb können wir Armut und Unkenntnis des Islams ausschließen – zwei populäre Erklärungen für islamischen Terrorismus – als die motivierenden Impulse hinter Khomeinis Wunsch einen islamischen Staat zu gründen. Khomeini und seine Kleriker wollen islamische Gesetze in einem islamischen Staat implementieren, den sie installiert haben. Der darauf folgende staatliche Terrorismus ist eine natürliche Folge des islamischen Rechts. Mit anderen Worten, der Islam war und ist verantwortlich für islamischen Terror, genau die These, die ich vorangestellt habe.[8] 
Ich habe eine kleine kritische Anmerkung zu dem Gebrauch des Begriffs 'Islamist' durch den Autor. Ich habe noch keine überzeugende Erklärung für das gefunden, was den Islamismus vom Islam unterscheiden soll, also vermeide ich den Terminus so weit es geht. Aber das ist wirklich nur ein winziger Kritikpunkt an dem ansonsten guten Text.
Ibn Warraq demonstriert ein sehr hohes Wissens- und Gelehrtenniveau. Er hat dies seit seinem ersten Werk 'Why I Am Not a Muslim' aus dem Jahr 1995 bewiesen. Seine neueste Publikation ist da keine Ausnahme. Seine möglicherweise einzige Schwachstelle als Autor ist, dass er manchmal etwas langatmig und komplex schreibt, so dass das Buch hauptsächlich akademisch gebildete Leser anspricht.
Das Buch 'Islam in Islamic Terrorism' hat 355 Seiten plus Bibliographie, es ist kürzer als viele seiner vorangegangenen Werke. Darum wird es ein breiteres Publikum ansprechen. Das Buch bietet Einsichten in die Mentalität und Ideologie islamischer Terroristen. Es ist ein wichtiges Werk zur richtigen Zeit.

Anmerkungen
1. The Islam in Islamic Terrorism: The Importance of Beliefs, Ideas, and Ideology. Von Ibn Warraq. Published im Mai 2017 bei New English Review Press. Zitat Seite 17.
2. The Islam in Islamic Terrorism. Zitat Seite 76.
3. The Islam in Islamic Terrorism. Zitat Seite 95.
4. The Islam in Islamic Terrorism. Zitat Seite 114.
5. The Islam in Islamic Terrorism. Zitat Seite 351.
6. Jihad in Islam. Written by Syed Abul A’la Maududi. Beirut: The Holy Koran Publishing House, 1980. Zitat Seite 5.
7. The Qur’anic Concept of War (Malik, 1979). Zitat Seite 59.
8. The Islam in Islamic Terrorism. Zitat Seite 346.



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